Warum spielen Gesundheitsangaben bei BU und PKV eine so große Rolle?
Weil beide Versicherungen ein Risiko übernehmen, das direkt mit deiner Gesundheit zusammenhängt. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nach den Vertragsbedingungen nicht mehr ausüben kannst. Die private Krankenversicherung erstattet Behandlungskosten. Bevor ein Versicherer dieses Risiko übernimmt, prüft er es anhand der Gesundheitsfragen im Antrag. Das gilt für eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Ingenieure genauso wie für jeden PKV-Tarif.
Gefragt wird zum Beispiel nach Erkrankungen, Beschwerden, Behandlungen und Medikamenten sowie nach Besuchen bei Ärzten, Psychotherapeuten oder Physiotherapeuten. Einheitlich sind die Fragen allerdings nicht. Jeder Versicherer legt selbst fest, welche Zeiträume er abfragt und welche Sachverhalte dazugehören. Eine Physiotherapie aus dem dritten Semester kann deshalb im einen Antrag anzugeben sein und im anderen außerhalb des abgefragten Zeitraums liegen.
Wer sich gesund fühlt, hält alte Behandlungen schnell für erledigt. In Gesprächen mit Berufsstartenden hören wir häufig: „Das war vor ein paar Jahren, das spielt doch keine Rolle mehr.“ Maßgeblich ist aber nicht die eigene Einschätzung, sondern was der jeweilige Antrag fragt und was in den ärztlichen Unterlagen dokumentiert ist. Falsche oder unvollständige Angaben können Folgen haben, je nach Fall bis zum Rücktritt des Versicherers vom Vertrag. Auffallen kann eine Lücke zum Beispiel dann, wenn du später eine Leistung beantragst und der Versicherer Unterlagen anfordert.
Was eine Vorerkrankung für den Antrag bedeutet
Ein Beispiel: Ein Ingenieur hatte im Studium wiederholt Rückenbeschwerden und mehrere Behandlungen mit Physiotherapie. Heute ist er beschwerdefrei. Das macht weder die BU noch die PKV automatisch schwierig. Die damaligen Beschwerden können aber anzugeben sein, abhängig von den konkreten Fragen und vom abgefragten Zeitraum. Der Versicherer bewertet sie dann in seiner Risikoprüfung. Mögliche Ergebnisse sind:
- eine Annahme zu normalen Bedingungen
- eine Annahme mit Risikozuschlag, also einem höheren Beitrag
- eine Annahme mit Leistungsausschluss für bestimmte Beschwerden, etwa an der Wirbelsäule
- eine Zurückstellung, bis eine beschwerdefreie Zeit abgelaufen ist
- eine Ablehnung
Eine Vorerkrankung schließt Versicherungsschutz also nicht von vornherein aus. Genauso wenig solltest du vermeintlich unwichtige Arztbesuche selbst aussortieren, bevor du die Fragen beantwortest.
Wie beeinflussen sich BU-Antrag und PKV-Antrag beim Berufsstart?
Die beiden Verträge sind voneinander unabhängig, greifen aber auf dieselbe Vorgeschichte zurück. Außerdem kann das Ergebnis des einen Antrags im anderen eine Rolle spielen. Beim Berufseinstieg kommen dazu mehrere Punkte zusammen.
Frühere Anträge werden abgefragt. Je nach Versicherer will ein Antrag auch wissen, ob schon einmal ein Antrag abgelehnt, zurückgestellt oder nur mit Zuschlag oder Ausschluss angenommen wurde. Ein unvorbereitet gestellter Antrag mit ungünstigem Ergebnis kann so in den nächsten Antrag hineinwirken.
Der Zeitpunkt fällt zusammen. Angestellte können sich nur privat krankenversichern, wenn ihr Gehalt über einer gesetzlich festgelegten Einkommensgrenze liegt. Für Ingenieurinnen und Ingenieure kann das mit dem ersten Gehalt oder nach den ersten Gehaltserhöhungen erstmals relevant werden. Zugleich ist der Berufsstart häufig ein guter Zeitpunkt für die BU, weil die gesundheitliche Vorgeschichte noch vergleichsweise kurz ist.
Die Gesundheit kann sich ändern. Neue Beschwerden, Diagnosen oder Behandlungen fließen in jeden späteren Antrag ein. Wer die BU aufschiebt, weil gerade alles in Ordnung ist, und sich zwischendurch etwa eine Sportverletzung mit längerer Behandlung zuzieht, beantragt sie später mit einer anderen Ausgangslage. Eine BU wird deshalb idealerweise abgeschlossen, bevor gesundheitliche Probleme bestehen.
Die Leistungen müssen zueinander passen. Angestellte in der PKV sichern ihren Verdienstausfall nach dem Ende der Lohnfortzahlung üblicherweise über ein Krankentagegeld ab. Nach den üblichen Bedingungen endet dieses Krankentagegeld, sobald eine Berufsunfähigkeit festgestellt ist, je nach Tarif mit einer Nachleistungszeit. Ab dann soll die BU-Rente das Einkommen ersetzen. Damit dazwischen keine Lücke entsteht, sollten Krankentagegeld und BU-Rente in Höhe und Ablauf aufeinander abgestimmt sein.
Zu kurz greifen deshalb beide Abkürzungen: die PKV schnell abschließen und die BU irgendwann erledigen, oder die BU verschieben, weil du jung und gesund bist.
Warum ist die Arbeitskraft für Ingenieure beim Berufsstart so viel wert?
Weil zu Beginn des Berufslebens fast das gesamte Arbeitseinkommen noch vor dir liegt. Ein Rechenbeispiel: Wer mit 25 Jahren 3.000 Euro netto im Monat verdient und bis 67 arbeitet, kommt in 42 Jahren theoretisch auf 1.512.000 Euro Nettoeinkommen (42 × 12 × 3.000 Euro), ohne eine einzige Gehaltserhöhung. Eine längere Berufsunfähigkeit kann deshalb finanziell deutlich schwerer wiegen als ein einzelner Sachschaden.
Bei Ingenieurinnen und Ingenieuren steigt das Einkommen nach dem Einstieg häufig mit der Karriere. Mit Position und Verantwortung wachsen oft auch die Verpflichtungen, etwa durch eine eigene Wohnung, einen Kredit oder eine Familie. Die BU schützt damit einen wesentlichen Teil deiner finanziellen Zukunft und ist mehr als eine Absicherung für den Fall einer schweren Erkrankung.
Für die Auswahl heißt das: Wichtig ist, ob sich die BU-Rente später ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen lässt, zum Beispiel nach einer Gehaltserhöhung oder einer Heirat. Solche Nachversicherungsgarantien unterscheiden sich je nach Tarif in Anlass, Höhe und Frist.
Ich brauche eine BU als Ingenieur in Stuttgart: Womit fange ich an?
Mit einer Bestandsaufnahme, bevor der erste Antrag gestellt wird. Ob du im Großraum Stuttgart bei einem Fahrzeughersteller, einem Zulieferer oder einem Technologiekonzern einsteigst: Nicht alle Versicherungsentscheidungen müssen am ersten Arbeitstag fallen. Sinnvoll ist diese Reihenfolge:
Gesundheit → berufliche Tätigkeit → Einkommen → gewünschte Absicherung → Versicherbarkeit
Die Gesundheit steht vorn, weil sie für beide Anträge die Grundlage ist. Die Tätigkeit beeinflusst, wie ein BU-Versicherer dich einstuft. Das Einkommen bestimmt mit, welche BU-Rente sinnvoll ist und ob die PKV für dich überhaupt infrage kommt. Erst wenn diese Punkte geklärt sind, lässt sich beurteilen, welche Absicherung du in welcher Form und in welcher Reihenfolge angehst.
Dabei gilt beides: Nicht jede Vorerkrankung ist ein Problem, und nicht jede scheinbar harmlose Behandlung ist automatisch unerheblich. Wie ein Antrag bewertet wird, hängt von den konkreten Gesundheitsfragen des jeweiligen Versicherers und von seiner Risikoprüfung ab. Beim Berufsstart geht es deshalb weniger darum, möglichst viele Verträge abzuschließen, als darum, die wichtigen Entscheidungen zum passenden Zeitpunkt zu treffen.